Georgien Blog.

Georgien Ankunft in Kutaissi

Als ich in Kutaissi aus dem Wizz Air Airbus A321er steige, stelle ich als erstes fest, dass kein anderes Flugzeug auf dem Rollfeld steht. Kein Wunder, der Flughafen 30km westlich der Stadt Kutaissi gelegen, bietet auch gar keine grösseren Kapazitäten. Ich erfreue mich, des soeben frisch eingestempelten, georgischen Passstempel in meinem Schweizer Pass. Auf 25 Lari kann ich den halbstündigen Taxitransfer noch herunterhandeln, was ungefähr 8 CHF entspricht. Nach dem Aussteigen möchte mir mein Taxifahrer noch etwas georgischen Vino (Wein) aus der PET Flasche schenken, welchen ich nach einem Probeschluck jedoch dankend zurückreiche. Ich stehe nun also vor meiner Unterkunft und mustere das zerknitterte, verbleichte, laminierte Blatt mit der Aufschrift «Hostel Vagabonde» und hoffe, dass dies nicht das Hostel ist, welches ich vor 36 Stunden gebucht habe. So heruntergekommen wie die Eingangstüre aussieht, möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie es innen aussehen muss… Zähneknirschend öffne ich langsam die Türe und erspähe sogleich in ein lächelndes, türkisches Gesicht. Der Mann namens Fuat heisst mich herzlich willkommen im Hostel Vagabonde. Mein erster kleiner Schock verfliegt sehr schnell, denn das Innere des Hostels sieht doch weit besser und sauberer aus, als vor wenigen Sekunden noch befürchtet.

 

Mit Vorfreude auf die georgische Küche, dem Tor zum Osten, so wurde mir geschwärmt, sitze ich im mir empfohlenen Restaurant am Ende der Fussgängerbrücke, welche den massiven Fluss Rioni überquert. Beim durchstöbern der Speisekarte horche ich auf, ob des vermeintlichen Deutschgespräches zwei Tische vor mir. Tatsächlich spricht da ein Deutschsprachiger mit der halb deutsch – halb georgischen Serviceangestellten. Nachdem ich dem Deutschsprachigen auf den ihm servierten, sehr reichhaltig gefüllten Teller «Mahlzeit» wünsche, sitze ich einen Moment später bereits an seinem Tisch. Auf einmal sitzen zwei Schweizer irgendwo in einer georgischen Stadt neben dem gewaltigen Rioni und unterhalten sich aufgeregt und gut gelaunt über das Land Georgien. Es stellt sich heraus, dass Beeri, ein Mitfünfziger aus dem Zürcher Weinland, bereits das dritte Mal dieses Land bereist, weil es ihm so gut gefällt. Für mich hätte dieser erste Tag in Georgien definitiv nicht besser beginnen können und so schlafe ich wunderbar ein in meinem Dreistockbett, welches ich neben weiteren leeren Doppelstockbetten ganz für mich alleine habe.

Georgische Natur - Canyons und Höhlen an einem Tag

Während ich über die ein Meter breite Brücke laufe und es auf der linken Seite gute 200 Meter in die Tiefe geht, begleitet mich meine Drohne ca. 15m parallel im Activ Tracking Modus. Ich befinde mich beim Okatse Canyon und laufe 2000 Treppenstufen, sowie 1200 Meter auf dieser stählernen, rostigen, leicht schaukelnden Brücke entlang. Zwischendurch wechsle ich bei der Fernbedienung wieder in den Normalmodus und fliege manuell meine zuvor visuell inspizierte Route ab. Das Video, welches daraus entstanden ist nennt sich «fallow me around the world»! 

Beim zweiten Canyon, welcher unser Touristen – Minibus heute ansteuert, möchte ich auf die 17 Lari Eintrittsgebühren verzichten, was sich im Nachhinein als richtig erwies, denn die anderen Touris bestätigten mir, es war nicht sonderlich sehenswert. Stattdessen flog ich mit meiner Drohne von ausserhalb und filmte den «Canyon», obwohl es von oben eher aussah, wie ein ganz normaler Flussverlauf, dicht bewachsen mit grossen Bäumen, die teilweise wie ein Dach schienen. Auf dem Handybildschirm tracke ich die auf dem ruhigen, sauberen Fluss schwimmenden Gummiboote, erhalte aber nicht gerade die spektakulärsten Drohnenaufnahmen. Nach einer Stunde an diesem Standort geht es auch schon wieder weiter und tatsächlich sollte das Highlight erst noch folgen. Und zwar waren dies die Promotheus Höhlen, welche sich über Kilometer durch das Gestein schlängeln. Die Temperatur beträgt konstante 15 Grad und ich laufe ganz alleine durch diese zwei Kilometer lange Kalksteinhöhle, bewundere mit offenem Mund die unscheinbar schönen Höhlengebilde mit all den unzähligen Stalaktiten, Stalagmiten und Kalksteinablagerungen… Als ich wieder Tageslicht erblicke muss ich mir erstmals die Augen reiben.

Tags darauf sitze ich im Minibus ganz hinten rechts, eingepfercht zwischen 16 anderen Touristen auf dem Weg nach Mestia. Die fünfstündige Fahrt verläuft ganz gut, nebst einer Pannenpause in der rostigen Werkstatt folgten noch zwei weitere Pausen. Als es dann kurz vor dem Ziel anfängt zu hageln, beschliesst der Fahrer unser gesamtes Gepäck, welches sich auf dem Dach befindet, in das Wageninnere hereinzuholen. Ich bin froh dafür, denn mein Rucksack lag zuoberst und ich machte mir etwas Sorgen um meine vielfältige, elektronische Ausrüstung. So stehe ich in der Wagentür, und hebe mit dem Fahrer ein Gepäckstück nach dem anderen ins Wageninnere, währenddem der einsetzende Hagel auf uns niederprasselt. Nach sechs Stunden erreichen wir das auf etwa 1500 Metern über Meer gelegene Dorf Mestia. Ich verabrede mich mit zwei Deutschen, die ich auf der Hinfahrt kennenlernte, zum Abendessen. Wir werden freundlich willkommen geheissen und mit typischen georgischen Mahlzeiten verwöhnt. Begleitet von dem immer wieer einsetzenden, starken Regengusses. Zu guter Letzt werden wir noch überrascht durch einen wunderschönen, intensiven und doppelten Regenbogen!

Eines der Highlights von Georgien folgt am nächsten Tag, wir befinden uns auf dem Weg nach Ushguli mit unserem persönlichen Fahrer. Mit uns ist gemeint das herzige deutsche Pärchen, mit denen ich gestern das Abendessen genossen habe, sowie 3 Asiatinnen. Es geht nicht lange und wir stehen im Stau und das auf einer Gebirgsstrasse, die auf 2200 Meter hinaufführt. Als ich aussteige und hundert Meter weiterlaufe, eröffnet sich vor mir ein Bild, das mich erstmals mit offenem Mund anhalten lässt. Tatsächlich ist die Strasse überschwemmt mit Tonnen von Flussgestein und ich denke sofort an die massiven Regenfälle vom Vorabend. Drumherum stehen circa 100 wartende Touristen mit ihren Fahrern, die teils wild gestikulierend dastehen und über Lösungsideen diskutieren. Ich mache schon die Insta Story mit dem Inhalt, dass es heute nichts mehr wird mit Ushguli und untermale dies mit einem Videobeweis. Keine Minute später erscheint auf einmal ein riesiger, quietschender Bagger mit einem gewaltigen Pflug, welcher damit beginnt, die Tonnen vor sich herzuschieben, als wäre er ein Besen der Staub wegwischt. So fahren wir auf einmal 30 Minuten später über die freigeräumte Strasse, schlängeln uns durch Schluchten und engliegende Strassen – ruckelnd und beinahe hüpfend – langsam nach oben. Die Strasse ist in einem wirklich desolaten Zustand, weshalb ein 4×4 beansprucht wird. Ohne diesen hätte man absolut keine Chance. Wir erreichen Ushguli durchgeschüttelt aber unfallfrei! Dieses Dorf ist das höchstgelegene, dauerhaft bewohnte Dorf Europas und bietet einen fantastischen Ausblick auf den 5200 Meter hohen, ganzjährig zugeschneiten Schchara. Ushguli ist geprägt von etwa 100 uralten Wehrtürmen die früher sowohl als Unterschlupf, wie auch als Verteidigung der Familie dienten. In bester Erinnerung behalte ich auch die friedliebenden, glücklichen Wildpferde in der saftgrün schimmernden, endlos grossen Wiese. Für euch habe ich natürlich auch noch die Drohne fliegen lassen und somit ganz besondere Aufnahmen machen können:

Grossstädte von Georgien

Batumi heisst das nächste Ziel, welches mir von meinen Mitreisenden, als das Las Vegas von Georgien beschrieben wird. Als wir mit dem Minibus nach sechs Stunden diese Stadt erreichen, erspähe ich schon von weitem die Skyline und Stadtgondelbahn. Ich beziehe ein frischeröffnetes Hostel und bin der erste Gast, den sie bewirten dürfen. Und tatsächlich habe ich das 32 Zimmer Hostel für mich ganz alleine in den 48Stunden, in denen ich mich in dieser Stadt aufhalte. In Batumi erkunde ich die 7 km lange Meerespromenade, schwimme das erste Mal im sehr salzhaltigen Schwarzen Meer und esse leckere Achapuri. Ich lasse den heissen Velofahrtwind an mir vorbeiziehen, floate  einige Sekunden auf dem Rücken an der Meeresoberfläche und koste mit Ei, Käse und Schinken gefüllten Achapuri. Eine pizzaähnliche, jedoch typisch georgischen Mahlzeit. Nur zu gerne wäre ich in die Hauptstadt mit dem Stadler Zug gefahren, der aber 24 Stunden bevor ich ein Ticket kaufen möchte für eines der drei Klassen, leider schon restlos ausgebucht ist. Etwas enttäuscht muss ich mich für die Alternative Bus entscheiden. Wenigstens geht es dieses Mal mit einem Car die 6 Stunden Strecke in die Hauptstadt Georgiens. Tbilisi, oder auf Deutsch auch Tiflis genannt. Sie ist die einzige Millionenstadt in Georgien. Etwas Mühe bereitet mir das Suchen des Hostels, obwohl es mir den Standort auf Maps Me als richtig anzeigt. Ich versuche es via Innenhof reinzugehen und da erblickt mich ein iranisches Gesicht und fragt mich: «Do you search anything», was ich bejahe. Ismael ist sein Name. Er pflegt mit seiner Frau ein Hostel mit ungefähr 16 Betten im Hezen Tbilisi. Meine gebuchten zwei Nächte verlängere ich um weitere zwei Nächte, da es für mich ganz gut passt das TBT Hostel. Ich genoss nicht nur die iranische Gastfreundschaft sowie Herzlichkeit, sondern unternahm auch Ausflüge. Mehrmals fahre ich mit der heruntergekommenen, alten und sowjetisch geprägten U-Bahnen, die etwa 150 Meter unterirdisch, die Stadt miteinander verbindet. Ich erkunde allein oder zu zweit die touristischen Highlights, wie die Altstadt, besuche einen gigantischen Warenmarkt und die Holy Trinitiy Kathedrale. Im Hostel verbringe ich auch etwas Zeit mit Dingen wie Wäsche waschen, Videos schneiden und mein nächstes Reiseland Indien vorzubereiten.

Ausserdem mache ich noch einen Tagesausflug nach Wardzia zu einem Höhenkloster. Ich fand es hochspannend die über tausend Jahre alten, von Menschenhand erschaffenen Höhlen in den Felswänden, zu bestaunen. Natürlich habe ich die günstigen Flugbedingungen sowie Gesetzgebungen mit der Drohne ausgenützt und auch hier so einige Gigabytes verfilmt. Nach einem reichhaltigen Mittagessen fahren wir mit dem mit Ledersitzen ausgestatten Mercedes Sprinter weiter zur Burg Rabati. Selten stand ich in einer solch schönen Burg, in welcher sogar Hotels und Restaurants einen Platz gefunden haben. Kurz darauf geht es noch weiter nach Borjomi, einem hübschen Städtchen entlang eines herunterkommenden Bergflusses. Von hier kommt auch das bekannte Borjomi Mineralwasser, welches anscheinend gesund sein soll, für mich aber mehr gestunken hat nach verfaultem Wasser. Hier gönne ich mir im 5 Sterne Hotel Crown Plaza Borjomi noch einen Coupe bevor wir die dreistündige Heimreise zurück in die Hauptstadt antreten. An meinem letzten Abend in Georgien folgt tatsächlich noch ein weiteres Highlight, denn ich treffe mich mit dem Schweizer, den ich ja bereits in Kutaissi kennengelernt hatte. Wir schlendern durch den schönen Park, wo die Stadtgondelbahn startet und geniessen noch einen Milchshake bevor wir hochfahren. Von oben ist die Aussicht über diese wirklich wunderschöne Altstadt einfach fantastisch! Und um halb neun Uhr abends treffe ich das deutsche Pärchen noch einmal im vereinbarten Weinlokal. Wir stossen an auf Geogien, führen wunderbare Unterhaltungen über unsere Erlebnisse in diesem Land und geniessen später nochmals das typisch georgische Essen. Ein letztes Mal schlafe ich ein in einem Land, von dem ich anfangs nicht viel erwartet habe und mich dementsprechend überrascht und täglich erfreut hat!