Begleite mich auf meiner Weltreise


Reportage

Posted by Josia Zaugg on April 24, 2018

Schnupperweltreise: 70 Tage um die Welt

Wie wäre es wohl, auf jedem Kontinent einmal gewesen zu sein? Unvergessliche Erfahrungen gesammelt zu haben und liebevolle, herzliche Menschen kennengelernt zu haben? Ist es wirklich die richtige Entscheidung, alleine auf eine solche Reise zu gehen? Wird mein Zielbudget von 6’000 Franken für einmal um die ganze Welt ausreichen? Werde ich mit den 12 Kilogramm Handgepäck inklusive Drohne überall problemlos durchkommen? Es wird höchste Zeit, die Zweifel zu überwinden und mich auf die Reise zu begeben, um Antworten zu finden!

Nach unzähligen Stunden vergleichen verschiedenster Flugkombinationen, lande ich endlich einen Volltreffer. Von Kopenhagen via Doha nach Südafrika und von dort weiter nach Brasilien. Ich kann mir gar keine bessere Einstiegsroute vorstellen. Voller Erlebnisdrang und unbeschreiblicher Vorfreude steige ich am 1. August 2017 in den Zug Richtung Dänemark. Meinem Abenteuer steht nun nichts mehr im Wege und endlich geht es los. Ich beginne gerade meinen Traum zu leben! Ich habe in meinem Leben zwei Mottos verinnerlicht: «Nichts ist unmöglich» und «Alles wird schon irgendwie gut kommen». Ohne diese Lebenseinstellung hätte ich es auch gar nicht versuchen müssen. Ausserdem bin ich überzeugt, dass es irgendwie möglich ist, mit meinem Zielbudget, eine solche Reise auch zu verwirklichen. Flüge gebucht habe ich erstmals nur bis Brasilien, sowie die Unterkünfte in Südafrika. Alles andere plane ich, fortlaufend während der Reise zu buchen. Ich nehme mir vor, immer nur in die günstigste Richtung zu fliegen.

Gefährliche Länder gleich zu Beginn

Die erste Stadt auf meiner Weltreise heisst Johannesburg. Meine Unterkunft liegt in Flughafennähe und ist dann auch beinahe das einzige, was ich von der Hauptstadt Südafrikas sehe. Denn gleich am nächsten Tag geht es weiter an das eigentliche Ziel, Kapstadt. Etwas verspätet lande ich in Kapstadt. Hoffentlich wartet mein reservierter Taxichauffeur noch an vereinbarter Stelle. Dem ist nicht so und kurz darauf hallt sein Name mittels Lautsprecher durch die grosse Ankunftshalle. Doch noch Glück gehabt. Eine humpelnde Person kommt zum Informationsschalter und stellt sich als mein Taxifahrer heraus. Auf dem Weg in die Innenstadt erblicke ich die riesigen Townships, die hier sogenannten Armutsviertel. Angekommen im sehr zentral gelegenen Hostel, beziehe ich mein Bett für die nächsten vier Tage. Gleich am zweiten Abend lerne ich einen Schweizer in meinem Alter kennen, mit welchem ich auch gleich beschliesse, auf den Signal Hill zu wandern. Wir geniessen die grossartige Rundaussicht über ganz Kapstadt und ich lasse noch meine Drohne Richtung WM Stadion (Green Point Stadium) fliegen. Nachdem die Sonne untergegangen ist, kraxeln wir den Hügel mit unseren Handytaschenlampen nach unten. Mit einem etwas mulmigen Gefühl laufen wir schnell huschend durch die schaurigen Strassen zu unserer Unterkunft. In Gedanken an einen Freund von mir, der ein halbes Jahr lang hier unten war, welcher zweimal mit einem Messer bedroht wurde…

Ich streife meine Füsse in das kalte Meerwasser, besuche einen Antiquitätenmarkt, gehe in den grossen Hillsong Gottesdienst, bewundere die spiegelnden Lichter bei der Waterfront. Kapstadt beginnt mir gerade wahnsinnig gut zu gefallen. Das Highlight ist dann noch ganz klar die Besteigung des Lion`s Head. Mit Besteigung meine ich den 90minütigen, steilen, teils mit leichten Kletterpartien versehenen Aufstieg auf den einen der Hausberge. Oben angekommen und sogleich sind die Schweisstropfen schon wieder vergessen. Was für eine absolut grandiose Aussicht! Ich stehe auf einem 669 Meter hohen Steinhaufen, eingebettet zwischen Tafelberg und seinen dazugehörenden Hügelzügen, vorne die Buchten umgeben von Stadt welche herabfallen zum Meer. Da bleibt mir schon mal eine ganze Weile der Mund offenstehen. Ich genehmige mir das durchgeschüttelte südafrikanische Bier, währenddessen sich die Sonne so langsam über dem Südatlantik senkt. Selbstverständlich habe ich meine kleine und leichte Drohne Dji Mavic Pro auch mit dabei im Rucksack, und mir gelingen gewaltige Aufnahmen. Was für ein wundervoller letzter Abend in einer Stadt, die mich einfach umgehauen hat. Bis bald Cape Town!

26 Flugstunden später lande ich unversehrt in Rio de Janeiro. Der ewiglange 16 Stunden Direktflug von Doha nach Sao Paulo steckt mir noch immer in den Beinen. Ein etwas verrückter Taxifahrer rast mich durch die nächtlichen Strassen zum Copagabana Beach, wo auch meine Unterkunft liegt. Insgesamt 18 Schweizerfranken kosten mich die kommenden drei Nächte im einfachen Sechs -Bettzimmer. An der Flaniermeile beim weltbekannten Copagabana Beach, kaufe ich mir eine Tagestour für den kommenden Tag. So ganz seriös kommt mir der italienische Verkäufer zwar nicht vor, er hat aber den günstigeren Preis anzubieten als die Touristenbüros. Mit Vorfreude warte ich am nächsten Morgen beim vereinbarten Abholpunkt. Als der Bus eine halbe Stunde später immer noch nicht erschienen ist, wird mir langsam bewusst, dass ich wohl betrogen worden bin… Auch eine meiner fünf Kreditkarten habe ich irgendwie verloren, oder sie wurde mir gar geklaut. Glücklicherweise kann ich sie per Handy App sperren lassen. Die Stimmung ist gerade etwas am Tiefpunkt angelangt. Nichts desto trotz entscheide ich mich, nun alleine zu den beiden Sehenswürdigkeiten zu begeben. Mittels Metro, alten, dreckigen Stadtbussen, Taxifahrern und zuletzt noch der Luftseilbahn komme ich doch noch auf meine Rechnung. Ich bestaune vom Aussichtspunkt Mirante Dona Marta die Christusstatue und geniesse die grandiose Aussicht vom Zuckerhut aus. Des Öfteren höre ich leise, unzählige Schüsse wiederhallen, welche an die brutalen Zustände in den Favelas erinnern und mich zum nachdenken bewegen. Seit Anfang des Jahres wurden bereits 85 Polizisten erschossen. Rio de Janeiro befindet sich nach der Olympia gerade im Ausnahmezustand und ich mittendrin.

Via Mittelamerika in die USA

In Rio de Janeiro buche ich die weiteren Flüge. Der günstigste Weg sollte mich via Panama und Bogota, mit je einer Nacht Zwischenlandung, nach Miami führen. In Bogota muss ich zuerst helfen, das uralte Taxi anzuschieben, um zur gebuchten Unterkunft zu gelangen. Dort angekommen verlangt der Rezeptionist, den etwa dreifach höheren Preis, als den auf der Buchungsbestätigung. Natürlich mache ich ihm klar, dass ich in dieser Bruchbude keinen Cent mehr berappen werde. Nach ein paar Minuten Diskussion stellt er mir dann doch einen Schlüssel zur Verfügung. Ein Vierbettzimmer für mich ganz alleine, nur mit defektem Türschloss. So packe ich all meine Wertsachen unter meine Bettdecke sowie unters Kopfkissen und verfalle sogleich in einen unruhigen Schlaf. Denn das Motel befindet sich direkt an einer achtspurigen Strasse. Nach dem Aufwachen habe ich noch einige Stunden Zeit, um die kolumbianische Hauptstadt zu besichtigen, die übrigens auf 2640 Metern über Meer liegt. Nebst der Altstadt und den schönen Frauen, gefällt mir die mit Abgasen verpestete Stadt nicht besonders gut. Es liegt wohl an der Höhe, dem nicht so leckeren Essen und den vielen, kriminell anmutenden, jungen Erwachsenen.

USA im Schnelldurchlauf

Vier Nächte stehen mir in der kubanisch geprägten Stadt Miami, im Bundesstaat Florida, bevor. Die Sprache Spanisch dominiert genauso wie die Hitze, welche erbarmungslos auf meine Schultern brennt. Ich verlege meine Schlafzeiten auf frühmorgens bis zwei Uhr nachmittags, um der Hitze wenigstens ein bisschen aus der Quere zu gehen. Es scheint, als erwache Miami sowieso erst spätnachmittags, vorher ist die giftige Sonne einfach zu hartnäckig. Das allabendliche Spektakel am Boulevard entlang des Miami Beaches, will ich mir jeweils keinesfalls entgehen lassen. Die schönsten, extravagantesten und teuersten Autos prahlen um ihre Aufmerksamkeit, währenddessen nebenan die unzähligen Restaurantlokale um ihre Gäste buhlen. Tag für Tag steigen dann die Partys in den trendigen Nachtlokalen, welche immer bis in die frühen Morgenstunden andauern.

Zwei Tage vor meinem 21. Geburtstag sitze Flugzeug der American Airline nach Las Vegas. Was für eine Vorfreude, ich werde meinen amerikanischen Erwachsenengeburtstag in der Megametropole Las Vegas feiern dürfen. Ich kann es kaum fassen! Ich schaue aus dem Fenster. Es ist Nacht. Nach langer Dunkelheit erstrahlen auf einmal Millionen kleiner Lichter in der Ferne. Ich steige aus dem Flieger und das erste das mir auffällt, sind die zahlreichen Spielautomaten bei den Gates. Sprachlos von den unglaublichen Hotelkomplexen mit ihren Lichtshows, fahre ich dem Strip entlang im doppelstöckigen Bus. In Las Vegas komme ich mir etwas vor, als würde ich mich in einer anderen Welt befinden. Es scheint so vieles surreal, übertrieben und protzig. Eine Stadt in der sich scheinbar alles nur um Geld und Glück dreht. Eigentlich nicht so meine Welt, dennoch machts mir Spass die Leute an den Spieltischen zu beobachten, an denen tausende Dollars im Handumdrehen verzockt werden. Mein grosses Highlight ist dann der Helikopterflug bei Nacht, einmal um Las Vegas herum. Was für ein unvergessliches Geschenk zu meinem Geburtstag von meinen Eltern! Diese glitzernde und funkelnde Lichterstadt von oben zu betrachten, ist schon ein unbeschreibliches Gefühl.

Angekommen an meinem nächsten Reiseziel merke ich, dass Los Angeles eine endlos riesige Stadt ist. Mehr als zwei Stunden fährt man vom einen Ende der Stadt zum anderen. So benötige ich knapp vier Stunden um vom viertgrössten Flughafen der Welt, zu meiner Unterkunft zu gelangen. Nun gut, ich muss dazu noch sagen, dass ich zuerst eine Stunde lang in die falsche Richtung gefahren bin mit dem Bus. Ich ärgere mich über meine Unaufmerksamkeit und die daraus verlorenen zwei Stunden. Ich schlendere über den mit Sternen übersäten Walk of Fame, besteige das Rathaus und fahre zum Hollywood Sign Aussichtspunkt. Die Hochhäuser liegen verschleiert im Smog, welcher die gesamte Stadt wie ein Atemhauch einhüllt. Nach drei Tagen habe ich auch diese Stadt gesehen und es geht weiter nördlich nach San Francisco.

Dort sind die Übernachtungsmöglichkeiten beinahe ausgebucht, zumindest was die Unterkünfte meiner Preisklasse angeht. Darum schlafe ich die erste Nacht etwa 40 Kilometer südwestlich von San Francisco. Am darauffolgenden Tag begebe ich mich mittels Bussen und Zügen in die wunderschöne Stadt San Francisco. Die dortigen, horrenden Übernachtungspreise von 50 Franken pro Nacht in einem 24 Mehrbettzimmer, trüben etwas meine Stimmung. Die gewaltige Aussicht von den Twin Peaks aus, lassen mich aber wieder enorm aufmuntern. Natürlich lasse ich auch die Drohne zwischen den Zwillingshügeln aufsteigen. Bei der Golden Gate Bridge treffe ich gerade noch rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang ein. Auf meinem Handybildschirm sehe ich per Livebildübermittlung der Drohne, wie sich die Sonne rotgelb färbt und zwischen den Brückenverstrebungen durchschimmert. Auch das Fishermans Village gefällt mir sehr gut, genauso wie die sehr steilen Hügelstrassen an welchen sich die Cable Cars hochziehen lassen. San Francisco ist eine sehr attraktive, erlebnisreiche, hügelige, abwechslungsreiche Stadt von der ich mich sehr begeistern lassen konnte!

Via Vancouver und Honolulu nach Australien

Am Flughafen von Vancouver werde ich mit Fragen durch die Zollbeamtin gelöchert. Ich bin wohl etwas verdächtig, weil ich bloss zwei Nächte in Vancouver gebucht habe, sowie einen Weiterflug über Hawaii nach Sydney. Denn sogleich wird mein Gepäckstück total auseinandergenommen. Statt dass ich mich aufrege, amüsiere ich mich, denn ich weiss ja, dass ich nichts Illegales mitführe. Da habe ich mich aber glatt getäuscht, denn der Apfel aus den USA und meine Salami – Partysticks aus der Schweiz darf ich nicht einführen… Das einzige, dass mir von Vancouver nicht gefällt, ist die Drogenstrasse mit hunderten Obdachlosen Junkies. Definitiv kein schöner Anblick und ziemlich erschreckend für mich, sowas in Kanada vorzufinden. Die Skyline Vancouvers hingegen, vom Stanley Park aus beobachtet, ist für mich die attraktivste, die ich jemals gesichtet habe. Ebenso die Geh – und Fahrradwege dem Kreuzfahrthafen, sowie dem Wasserflugzeugplatz entlang, sind ein Highlight.

Mit der Air Canada Maschine fliege ich dem intensiven Abendrot hinterher. Da die Sonne im Westen untergeht und ich westwärts fliege, komme ich über eine Stunde in den Genuss dieser wunderschönen Abendstimmung. Einer meiner schönsten und unvergesslichsten Flüge! In Honolulu lerne ich einen Missionar kennen, der mich zum weltbekannten Waikiki Beach führt. Dort beobachte ich die Surfer, die auf den perfekten Wellen ihr Können beweisen, werfe mich selbst in die tosenden Wellen und geniesse das warme hawaiianische Klima. Nach zwei kurzen Nächten begebe ich mich wieder zum Flughafen und checke als letzter Passagier ein. Bald darauf sitze ich in der Jetair Maschine, schaue aus dem Fenster auf die wunderschönen Inseln Hawaiis und verspreche mir zurückzukommen, wenn ich einmal länger Zeit habe. Die kommenden 10 Stunden sehe ich nichts anderes als Wolkenfelder und darunter eiskaltes, pazifisches Meereswasser…

Gleichzeitiger Höhe- und Tiefpunkt

Mit 20 Stunden Zeitverschiebung lande ich das erste Mal auf dem Australischem Kontinent, genauer gesagt in Sydney. Der Jetlag hält sich glücklicherweise in Grenzen. Einige Stunden später treffe ich die erste von vier Personen auf meiner Weltreise, die ich bereits aus der Schweiz kenne! Es ist meine beste Reisefreundin die sich hier gerade im Sprachaufenthalt befindet. Da ich wusste, sie wird an diesem ersten Septemberwochenende in Sydney sein, versuchte ich daher, meine Reiseroute anzupassen. Die Flugpreise spielten tatsächlich mit, bedeutete für mich aber je nur zwei Tage in Vancouver und Honolulu Zeit zu haben. Wir entdecken gemeinsam diese Megastadt, stehen vor dem Opernhaus, verköstigen uns in Chinatown und fahren mittels Fähre zum Manly Beach. Wir haben uns natürlich wahnsinnig viel zu erzählen und so vergeht der Tag wie im Flug. Dieser Tag wäre vielleicht einer der schönsten geworden, wenn er nicht vom Tiefpunkt meiner Weltreise überschattet worden wäre. Blöderweise crashe ich meine tausend Franken teure Drohne in die gigantische, stählerne Harbour Bridge. Ein Tropfen zu viel Übermut, Risikobereitschaft und Unüberlegtheit werden gnadenlos bestraft. Dann kommt noch der orkanartige Wind welcher das Schicksal perfektioniert.

Nach drei Tagen Enttäuschung verdauen, beschliesse ich die selbige Drohne wiederzukaufen. 72 Stunden später bin ich bereits wieder im Besitz einer neuen Drohne. Gefunden habe ich meine erste Maverick nie mehr, vielleicht hängt sie noch heute im Brückenstahl… Der Neukauf war die richtige Entscheidung, wie sich bald später herausstellen sollte. Denn ohne Drohne wäre diese Reise nicht mehr die gleiche geworden. Meine bisherigen Aufnahmen von meiner Weltreise, welche ich sogleich in Videos zusammenschnitt und veröffentlichte auf Youtube, waren schon zu meinem Markenzeichen geworden.

In Gold Coast residiere ich in der bisher besten Unterkunft der letzten 40 Tage. Es ist das ganz neue Bunk Surfer Hostel inklusive Pool und Whirlpool, grosser Küche und Partyangebot. Ich verlängere meinen zweinächtigen Aufenthalt um eine weitere Nacht, entdecke gemeinsam mit deutschsprachigen Altersgenossen die Nachtclubs von dieser modernen Stadt. Ich bestaune die Hochhäuser vom Fluss aus, an welchem sich eine luxuriöse Villa nach der anderen reiht. Mittels Zug fahre ich innerhalb einer Stunde nach Brisbane. Dort verbringe ich zwar nur eine Nacht, sehe aber dennoch das wichtigste von dieser attraktiven Stadt. Weiter nördlich geht’s nach Noosa an die Sunshine Coast. Hier treffe ich meinen ehemaligen Mitstift von der Lehre, der sich ebenso im Sprachaufenthalt befindet. Gemeinsam mit weiteren sieben Schweizern chillen wir am Perigian Beach, spielen Karten, lauschen einem Hippie Konzert und geniessen die Zeit zusammen. Gesprochen wird mehrheitlich Englisch und nicht mal unsere Muttersprache.

Zwei Tage später komme ich mit dem Greyhound Bus in der australischen Walbeobachtungshauptstadt Hervey Bay an. Ich fahre mit dem Walbeobachtungsschiff hinaus und sehe erstmals in meinem Leben Wale. Teilweise schiessen sie meterhoch aus dem Wasser hinaus. Es fehlt nicht mehr viel und wir werden beinahe nassgespritzt von den 12 Meter langen Buckelwalen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, diese Meeresgiganten von so nahem bestaunen zu können!

Der unvergesslichste Tag

Der kommende Tag sollte der unvergesslichste werden auf meiner Weltreise. Der Schauplatz dafür ist die grösste Sandinsel der Welt – die Fraser Island. Mittels einem lastwagenähnlichem, vollgefedertem Reisebus fahren wir über hügelige Sandpisten zum tiefblauen Lake Mc Kenzie. Ich erfrische mich im wunderschönen, kristallklaren Wasser und lasse die Drohne hunderte Meter darüber gleiten. Wir werden durchgeschüttelt, während wir zwischen jahrtausendalten, vielfältigen Urwaldbäumen hindurchfahren. Ich bestaune das MS Maheno Schiffswrack, das 1935 auf dieser Insel strandete und seither vom Meereswasser regelrecht aufgefressen wird. Ganz konzentriert lasse ich meine Drohne fliegen, so dass ich gar nicht bemerke, wie alle Leute schon in den Bus eingestiegen sind. Ich renne die 50 Meter im Sprint zum Bus und kann ihn in letzter Sekunde gerade noch aufhalten. Nun muss ich erstmals noch meine Drohne auf meiner Hand landen und steige kurz darauf ein, um von 30 verblüfften Gesichtern, mit einem Applaus empfangen zu werden. Der sichtlich erleichterte Busfahrer möchte nun losfahren, was ihm aber misslingt. Wir bleiben feststecken im Triebsand. Er hat zu nahe an den Wellen geparkt. Als erstes will uns ein Jeep rausziehen, bis der selbst feststecken bleibt. Nun muss dieser erstmals befreit werden von einem Bus, welcher dann tatsächlich auch noch festecken bleibt! Nachdem wir alle ausgestiegen sind, ein dritter Bus zur Hilfe eilt, gelingt die Befreiung endlich. Weiter geht die Fahrt entlang dem 75 Mile Beach. Auf einmal geht ein Raunen durch den Bus. Keine hundert Meter vor uns hat sich ein Jeep seitlich eineinhalbmal überschlagen, und dass bei 90 Stundenkilometern. Einige haben es live mitbeobachtet und meinten, es sah aus wie im Film. Unter Schock ziehen wir die sieben Insassen raus, die wie durch ein Wunder nur mit Kratzern davonkommen! Da wir nun über eine Stunde Verspätung haben verpassen wir die letzte Fähre, welche für uns nun noch eine Extrafahrt einlegen muss. In Gedanken versunken an all die Ereignisse, streicht mir der Wind durch die Haare und so neigt sich dieser unvergessliche Tag dem Ende zu.

Glücklicherweise kann ich im Reisebus nach Airlie Beach ganze neun von zwölf Stunden schlafen. Dort angekommen beziehe ich die riesige Hostelanlage mit Pools, Bars und einem Restaurant. Am nächsten Tag düse ich mit dem Speedboat zu einem der sieben Weltwunder, welches auch zum Unesco Weltnaturerbe zählt - den Whitsunday Islands. Eine pittoresk, wunderschöne Inselgruppe inmitten vom Great Barrier Reef. Gewaltige unterschiedliche Blautöne wechseln sich alle paar Meter ab, der weisse Sand glitzert und die Insel wird von grünen Bäumen überzogen. Ich fühle mich als wäre ich im Paradies angekommen! Diese unbeschreibliche Naturschönheit lässt mich sprachlos werden.

11 Tage Indonesien

Mit dem Speedboat gelange ich nach Nusa Penida, einer Nachbarsinsel Balis. Auf diese Insel freue ich mich ganz besonders, denn die Fotos sehen wahnsinnig vielversprechend aus! Ich sollte kein bisschen enttäuscht werden, nein ganz im Gegenteil, ich werde so richtig verblüfft von dieser ursprünglichen Natur. Mittels Roller erkunde ich diese kleine Insel, fahre über fürchterliche Schotterpisten an die schönsten Orte wie zum Beispiel dem Broken Beach. Am Kling Kling Viewpoint bestaune ich die grandiose Aussicht auf diese einzigartige, wunderschöne Bucht. Für 70 Rappen esse ich leckere Nudelgerichte und geniesse dazu das indonesische Bintang Bier. In meinem Hostel schliesse ich sofort Freundschaften mit jungen Leuten aus der ganzen Welt. Wir erkunden gemeinsam weitere Hotspots dieser Insel und unternehmen einen Schnorchel Ausflug. Wenige Meter vor uns schwimmen drei Meter grosse Mantarochen vorbei – was für ein besonderes Erlebnis! Ebenso kommen wir in den Genuss wunderschöner, lebendiger Riffe mit der ganzen Tiervielfalt bestaunen zu dürfen. Diese drei Tage waren vollgepackt mit unvergesslichen Erlebnissen und zählen zu den absoluten Highlights meiner Weltreise.

Flucht vor dem Vulkan Agung

Meine Reise führt mich weiter nach Kuta Lombok, wo ich drei Nächte verbringe. Hier lerne ich auch wieder viele Backpackerreisende kennen. Gemeinsam unternehmen wir Ausflüge zu wunderschönen Stränden und gehen abends zusammen essen. Ich stehe das erste Mal auf einem Surfbrett, was mir sehr Spass bereitet. Seitdem ich auf Bali gelandet bin, begleitet mich auch der ständige Gedanke an einen sehr baldigen Ausbruch des Vulkanes Mount Agung. Seit einigen Tagen ist die Ausbruchgefahr auf der höchsten Gefahrenstufe und man rechnet jeden Moment mit einem Ausbruch. Eine Fluchtmöglichkeit per Flugzeug wäre nach einem Ausbruch aufgrund der Aschewolken nicht mehr möglich... Obwohl es mir auf Lombok sehr gefällt, entscheide ich mich, sicherheitshalber langsam zu fliehen. Das Chaos nach dem Ausbruch will ich nicht unbedingt miterleben. Ich wähle den billigsten Flug, welcher mich auf die grosse indonesische Insel Java, genauer gesagt nach Yogjakarta bringen wird. Aus dem Flieger erblicke ich noch den mächtigen Mount Agung welcher bereits bedrohlich irgendwas in den Himmel hinausspuckt. Ich bin ganz froh noch rechtzeitig vor einem baldigen Ausbruch weg zu sein.

10 Tage Japan

In Osaka steige ich aus dem Air Asia Airbus aus und betrete das erste Mal japanisches Festland. Ich bestaune die Restaurantschaufenster des Flughafens und amüsiere mich an den dargestellten Gerichten, die man konsumieren kann. In Japan können es sich die gutverdienenden Restaurants nämlich leisten, ihre «Karte» in 3D Plastikgerichten darzustellen. Teilweise sehen diese verblüffend echt aus, so dass ich anfangs meinte, das ist doch gekochtes, schön angerichtetes Essen, welches da präsentiert wird! Erst beim ganz genauen Hinschauen, erkennt man aber, dass das «Showgericht» doch nicht aus Lebensmitteln besteht, sondern aus Kunter farbigem Plastik. Willkommen in Japan – dem verrücktesten Land indem ich je war, wie sich bald herausstellen sollte.

Die erste Nacht verbringe ich in einem modernen 32 Bettzimmer in der Stadtmitte Osakas. Abends fahre ich mittels Fahrrad und mithilfe der genialen Offline App Maps Me, lasse ich mich zum Dotonbori Stadtteil navigieren. Dort angekommen, befinde ich mich auf einmal umzingelt von Hochhäusern und lichtdurchfluteten Gassen mit unzähligen Restaurants. Ich ströme durch die gewaltigen Menschenmassen und habe die allergrösste Mühe, mich für ein Restaurant zu entscheiden. Schlussendlich lande ich in einem winzigen Lokal, indem ich köstliches Fleisch mit Reis serviert bekomme.

Tags darauf treffe ich bereits die dritte Person, die ich aus der Schweiz kenne. Leicht aufgeregt begebe ich mich auf den Weg in die Nachbarsstadt Takatsuki. An der richtigen Bushaltestelle auszusteigen, ist dann gar nicht so einfach, da diese nur mit japanischer Zeichenschrift gekennzeichnet ist. Doch offensichtlich steige ich am richtigen Ort aus, denn kurz darauf später werde ich wie vereinbart abgeholt von meiner ehemaligen Berufsschullehrerin. Sie hat das Vergnügen mit ihrer Family, 11 Wochen in ihrem geliebten Land Japan zu verbringen. Auch ich komme unter bei ihrem Schwiegervater in einem typisch japanischen, sehr schmalen Einfamilienhaus, wo ich für die kommenden zwei Tage nächtigen darf. Ich bekomme sogar das Bett zugewiesen von Mika, der mega herzigen, sechsjährigen Tochter. Ich fühle ich mich sehr herzlich willkommen geheissen, in einem mir noch völlig fremden Land, bei jemand Fremden Zuhause!

Die kommenden 48 Stunden sollten dann ein grosses Highlight, meiner sich bereits zu Ende neigenden Weltreise, werden! Nachdem die Nachmittagseinkäufe getätigt sind, begeben wir uns abends zu Fuss, zu einem typisch japanischen Restaurantlokal. Ich werde nun die nächsten eineinhalb Stunden so richtig verwöhnt! Ich bekomme köstliche Edelsushi serviert, welche auch mal aus Aal oder Lachseiern besteht. Ich bin von diesen Delikatessen total begeistert, die ich mir mit meinem Weltreise - Tagesbudget, natürlich nie und nimmer hätte leisten können! Die äusserst nette Bedienung ist ganz fasziniert von meiner Reise und ich wiederum bin ganz fasziniert, von dieser herzlichen Bewirtung! Nach der liebevollen Verabschiedung von unseren Gastgebern, trage ich die müde Mika auf meinem Rücken nachhause, wo wir uns sogleich alle Müde ins Bett fallen lassen.

Am nächsten Tag fahre ich nach Kyoto und frage einen etwas älteren Japaner, an welcher Haltestelle ich aussteigen muss. Er meint, er steige am selbigen Ort aus und ich könne ihm einfach folgen. So komme ich mit ihm ins Gespräch und erzähle ihm von meiner Weltreise. Da er so fasziniert ist und noch mehr hören möchte, beschliesst er, mir am Bahnhof noch einen typischen japanischen Reiswein zu kaufen. Auf einmal kristallisiert er sich einfach als meinen Stadtführer von Kyoto hinaus. Denn die Überraschungen seinerseits hören nicht auf. Nachdem er auch noch Marronis und Kekse gekauft hat, macht er noch Fotos von mir mit zwei jungen Südkoreanerinnen, die eingehüllt sind in einem typisch japanischen Traditionskleid. Die beiden schliessen sich uns auch noch an und so laufen wir durch die touristischen Gassen Kyotos. Neben Tempelanlagen bestaunen wir einen uralten Bambuswald und bei einem schintoistischen Schrein führt er uns die Gebetszeremonie vor. Diesen äusserst liebevollen Menschen werde ich wohl nie vergessen können. Diese bedingungslosen Freundlichkeiten von einem völlig fremden Menschen, haben mich sehr berührt und gefreut!

Ein weiteres unvergessliches Erlebnis erwartet mich am nächsten Tag. Mit grosser Vorfreude wie ein kleines Kind, betrete ich den Shinkansen Schnellzug. Besonders fasziniert bin ich vom Kontrolleur, welcher sich jedes einzelne Mal wenn er den Zugwagen betritt, verbeugt. Nachdem er unsere Billette kontrolliert hat und den Zugwagen wieder verlässt, verbeugt er sich wieder! Etwa sieben Mal habe ich das Vergnügen, dies zu beobachten, währenddessen die Fahrt wie im Flug vorbeigeht. Mit Geschwindigkeiten von 238km/h laufe ich durch den Zug, bestaune das Pissoir und den Rauchersalon, packe meine Launch Box aus und geniesse das leckere Sushi. 135 Minuten später befinde ich mich 500km weiter nördlich in der grössten Weltmetropole der Welt – in Tokyo. Ich steige aus diesem hochfaszinierenden Zug aus und verliere mich kurz darauf in den gewaltigen Menschenmassen, in einem der grössten Bahnhöfe der Welt.

Es ist bereits der 67. Tag meiner Weltreise, und ja, es wird mir so langsam bewusst, dass sehr nahende Ende. So traurig bin ich gar nicht, denn ich freue mich nun schon extrem darauf, meine Heimat, Familie und Freunde wiederzusehen. Ich geniesse die letzten Tage in einer sehr faszinierenden Stadt in einem äusserst hochentwickelten Land. Hier in Japan fühle ich mich manchmal wie auf einem anderen Planeten. Es ist so viel anders, extravaganter und irgendwie fortgeschrittener als sonst irgendwo auf dieser Welt. Besonders vorbildlich empfinde ich diese Sauberkeit, der sehr wenige Strassenverkehr und das allgemeine Verhalten der Japaner.

Ich erkunde doch so einiges, vorwiegend zu Fuss. Ich bestaune die schönste Tempelanlage die ich jemals gesehen habe, den Asakusa Tempel. Ich stehe auf dem zweit höchsten Bauwerk der Welt, auf dem Skytree Tower. Was ich sehe ist Stadt. Stadt ohne Ende, soweit das Auge reicht. Ich schlendere durch Märkte, den Zoo und Essensgassen. Ich bestaune die Menschenmassen an der meist frequentierten Strassenkreuzung der Welt. Durch Zufall verabrede ich mich noch einmal mit jemanden aus der Schweiz, den ich durch einen guten Freund von mir kenne. Wir essen gemeinsam Sushi in einem modernsten Sushi Restaurant, trinken japanisches Bier und unterhalten uns über dieses höchst faszinierende Land.

Tatsächlich wird Japan noch mein Favoritenland. Ja ich habe mich in dieses Land verliebt. Mein letztes Land hat es geschafft, Australien tatsächlich noch vom ersten Platz zu verdrängen. Die Japaner haben mich schwer beeindruckt. Diese Disziplin, dieser Ehrgeiz, diese Anständigkeit, diese Höflichkeit, diese Grosszügigkeit von einem Volk, habe ich noch nirgends anderswo auf diesem Planeten wahrgenommen. In einigen dieser Eigenschaften sind die Japaner wohl auch Weltmeister! Mir liegen diese Charaktereigenschaften sehr am Herzen und genau darum haben mich die Japaner so wahnsinnig fasziniert.

Nach 125 Flugstunden, 90`000 zurückgelegten Kilometern und 6164 Franken weniger, lande ich wohlauf in meiner geliebten Heimat. Diese Reise hat mich tatsächlich verändert. Alle Erfahrungen haben mich geprägt und zu einem noch glücklicheren, dankbareren Menschen geformt. Ich habe gelernt, Kleinigkeiten mehr zu schätzen. Die viel intensivere Wahrnehmung der Naturschönheit, ist eine weitere Eigenschaft, die ich erlernt habe. All meine Fragen und Ungewissheiten wurden mir beantwortet. Ich kann auf unvergessliche 70 Tage zurückblicken und gar behaupten, es waren meine bisher besten 70 Tage in meinem noch jungen Leben!

Bei Fragen und Anregungen

josia.zaugg@gmx.ch
Youtube: Josia Zaugg
Blog: www.70tageumdiewelt.ch